Einen Teil der Kosten für das Beschneiungswasser im Matreier Goldried-Skigebiet zahlt der TVBO. Foto: EXPA/Groder

Einen Teil der Kosten für das Beschneiungswasser im Matreier Goldried-Skigebiet zahlt der TVBO. Foto: EXPA/Groder

Matrei: TVBO soll Wasserbeitrag vorab bezahlen

Rund 620.000 Euro an Wassergebühren, die der TVBO bis 2035 zahlen muss, sollen in drei Tranchen fließen.

Seit vielen Jahren zahlt der Osttiroler Tourismusverband einen beträchtlichen Teil der Kosten, die im Winter für die Beschneiung der Skipisten im Matreier Goldried-Skigebiet anfallen. Vereinbart wurde diese hinterfragbare Finanzspritze in alten Verträgen, die noch Alt-Bürgermeister Andreas Köll mit dem früheren Tourismusverband Nationalpark abgeschlossen hatte. Köll war und ist auch Geschäftsführer der Bergbahn, die zum Schultz-Imperium gehört.

Aktuell überweist der TVBO 47.500 Euro pro Jahr an die Marktgemeinde Matrei, die dafür dann die entsprechende Menge Beschneiungswasser der Schultz-Gruppe zur Verfügung stellt. Abgeschlossen wurde diese Vereinbarung ursprünglich ohne zeitliche Limitierung. 2020 gelang es dem TVBO nach langem Tauziehen, sich juristisch aus diesem Vertrag zu befreien. Mit der Gemeinde Matrei wurde noch unter Köll ein Vergleich geschlossen, der vorsieht, dass der Verband diesen Jahresbeitrag noch bis 2035 leistet.

Im Gemeinderat schlug Bürgermeister Raimund Steiner vor, die Wassergebühren des TVBO in drei Tranchen abzurechnen. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Die Matreier Geldnot könnte die Touristiker aber nun früher aus dieser finanziellen Verantwortung entlassen. In der Gemeinderatssitzung am 27. September brachte Bürgermeister Raimund Steiner einmal mehr die monetäre Schieflage der Tauerngemeinde aufs Tapet. Um Liquidität zu schaffen, will er sich nun an den TVBO wenden. „Franz Theurl hat mir gesagt, ich solle mich melden, wenn wir Geld brauchen“, berichtete Steiner am 27. September im Matreier Sitzungssaal.

In Vorgesprächen habe er sich mit Verbandsobmann Franz Theurl darauf verständigt, die Zahlungen für das Pistenwasser vorzuziehen. Insgesamt sind für die nächsten 13 Jahre noch rund 620.000 Euro offen. Geld, das man in Matrei am liebsten sofort in der Gemeindekasse hätte. Deshalb soll die Summe in drei Tranchen vorzeitig überwiesen werden. 330.000 Euro sollen noch heuer fließen, 145.000 Euro im kommenden Jahr und die restlichen rund 140.000 Euro dann 2024. Damit könne man verhindern, einen Kassenkredit aufzunehmen, um die Zahlungsschwankungen auszugleichen, so Steiner.

Elisabeth Mattersberger von der Liste „Gemeinsam für Matrei“ hinterfragte die Vorgehensweise der Gemeindeführung.

Die ehemalige Vizebürgermeisterin Elisabeth Mattersberger (Gemeinsam für Matrei) zeigte sich im Gemeinderat skeptisch: „Ich sehe das nicht ganz ein. Warum sollte der TVBO Bank spielen?“ Auf Nachfrage relativiert Theurl. Er sieht eine Win-Win-Situation: „Wir bekommen eine Verbindlichkeit aus unserer Buchhaltung und sparen uns Kostensteigerungen durch mögliche Indexanpassungen. Die Gemeinde schafft ihrerseits Liquidität.“ Durch den Wegfall der Indexsprünge bis 2035 erspare man sich rund 180.000 Euro, rechnet Theurl vor.

Mit der vorzeitigen Abgeltung war der Matreier Gemeinderat letztlich einverstanden, nun muss der Aufsichtsrat des Tourismusverbandes – dessen stellvertretender Vorsitzender Andreas Köll ist – diese Lösung absegnen. Dann wiederum muss die endgültige Abrechnung im Matreier Sitzungssaal genehmigt werden. Danach könnte die erste Tranche fließen. „Wir bräuchten dafür keine Fremdmittel und könnten sofort zahlen“, so Theurl.

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz und ist ein Reporter mit Leib und Seele. 2022 wurde Roman vom Fachmagazin Österreichs Journalist:in unter die Besten „30 unter 30“ gewählt.

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3 Postings

Resi

Sehr gut, dass endlich innovative Lösungen für das Finanzdesaster gesucht werden. Ein Mensch wie der Raimund kann mit jedem reden. Und so kann auch der Franz mit dem Tourismusverband ein wenig dazu beitragen, dass es mit den Finanzen in Matrei langsam wieder besser wird.

 
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Franz Brugger

Was hätte AK gemacht, und wieviel Lob hätte de Frau Mattersberger gespendet?

 
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Sumse

Traurig, laufende Einnahmen müssen als Einmalzahlungen den Kollaps der Gemeinde verhindern. Wo ist das von der Aufsichtsbehörde versprochene Sanierungskonzept welches der Gemeinde eine Zukunftsperspektive geben kann ? Wann gibt es den schon lange versprochenen Bericht des Wirtschaftsprüfers. Hoffe, daß jetzt nach den Wahlen endlich Schwung in die verfahrene Situation kommt und Lösungen präsentiert werden. Der neue Gemeinderat hat es sich verdient.

 
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