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Der Frieden in der Siedlung ist getrübt

Anrainerin beklagt Lärmbelästigung durch Freie Christengemeinde. Ortner: „Wir haben einen Horror.“

Der Brixnerplatz ist nicht nur Zentrum der Lienzer Friedensiedlung, sondern auch Dreh- und Angelpunkt eines sich im Wandel befindlichen Stadtteils: Nach der bereits länger zurückliegenden Abwanderung von Bäckerei und Bankfiliale wurden im vergangenen sowie im heurigen Jahr sowohl Spar-Markt als auch Trafik umgesiedelt. Daraufhin wurden die Räumlichkeiten des ehemaligen Supermarktes von der Freien Christengemeinde Osttirol, einer freikirchlichen Gruppierung, gekauft.

In Zukunft soll die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, geplant sind die Errichtung eines sogenannten Begegnungszentrums inklusive eines spendenbasierten Cafés sowie die Durchführung von Kulturveranstaltungen. Die Umbauarbeiten starteten im April dieses Jahres, Dolomitenstadt war mit der Kamera vor Ort.

Lärmbelästigung am Sonntag

In der Zwischenzeit regt sich jedoch teils heftiger Widerstand an der Präsenz der Freien Christengemeinde in der Siedlung, der vor allem von Anrainerin Martina Ortner kommuniziert wird. Sie sieht sich als Sprecherin einer Nachbarschaftsinitiative, die sich durch die Freikirche belästigt fühlt, und ist mir ihren Sorgen an die Dolomitenstadt-Redaktion herangetreten.

Martina Ortner lebt im Simon von Taisten-Weg. Ihre Wohnung befindet sich direkt vis-à-vis von den Räumlichkeiten, in denen die Freie Christengemeinde ihre Treffen abhält. Alle Fotos im Beitrag: Dolomitenstadt/Sint

Konkret beklagt Ortner, die seit 35 Jahren in der Siedlung lebt, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen sowie Lärmbelästigung durch Musik während der Sonntagsmesse. Von 9 bis 14 Uhr seien sonntags rund 80 Personen vor Ort, wobei sich die Pensionistin insbesondere von den verstärkten E-Instrumenten und „knallenden Autotüren“ gestört fühlt.

„Wir genießen unsere Ruhe hier in der Siedlung. Warum lassen sie es nicht alles so, wie es war?“, will Ortner wissen. „Ich lade jeden sonntags um neun Uhr ein, hierher zu kommen und sich selbst ein Bild zu machen. Früher haben wir so gerne hier am Balkon gebruncht, aber jetzt will niemand mehr kommen“, bedauert die Anrainerin.

„Ich lade jeden sonntags um neun Uhr ein, hierher zu kommen und sich selbst ein Bild zu machen“, so Ortner.

Nicht nachvollziehen kann den Vorwurf Stephan Peuckert, Leiter der Freien Christengemeinde Osttirol. Auch er lädt dazu ein, sich selbst einen Eindruck davon zu verschaffen, wie massiv die Belästigung sei. „Es stimmt, wir spielen am Beginn unseres freikirchlichen Gottesdienstes eine Lobpreismusik, die am Beginn auch mal ein bisschen fetziger ist. Dann kommen aber auch ruhigere Melodien“, erklärt Peuckert. Allerdings finden die Messen nicht im Freien statt und der musikalische Part würde sonntags rund eine halbe Stunde dauern.

Stephan Peuckert, Leiter der Freien Christengemeinde Osttirol, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Archivfoto: Dolomitenstadt

Peuckert bestätigt zwar, dass man die Instrumente auch vor dem Gebäude hören könne, betont jedoch gleichzeitig, dass die Messen bereits seit 2018 in dieser Form ablaufen würden. Denn schon vor dem Kauf der Supermarkträumlichkeiten war der ehemalige Sparkassen-Raum von der Freien Christengemeinde als Treffpunkt genutzt worden.

„Mit unserem Gesang drücken wir unsere Dankbarkeit Gott gegenüber aus“, heißt es auf der Website der Freien Christengemeinde Osttirol.

Stattdessen ortet der Leiter der freikirchlichen Gemeinschaft eine persönliche Animosität einer Einzelperson, andere Nachbar:innen seien bislang noch nicht auf ihn zugekommen. Sollten sich mehrere Anwohner:innen gestört fühlen, gibt sich Peuckert bereit, „dass man sich das zusammen anschaut.“

Differenzierter äußert sich eine Spaziergängerin, die wir beim Lokalaugenschein vor Ort zufällig antreffen. Aus ihrer Sicht ließe sich die Situation bereits entschärfen, wenn man den Bass entferne. „Es sind viele junge Leute dabei, die haben für so etwas kein Verständnis. Aber indem man miteinander redet, kann man leichter etwas erreichen“, so die Dame.

Band-Proberaum als Zankapfel

Martina Ortner hat sich indes an die Behörden gewandt und steht mit Polizei, Bauamt und Bezirkshauptmannschaft im Austausch. Insbesondere in den Ruhezeiten sowie der Sonntagsruhe sieht die Anrainerin einen Hebel, um die Lärmbelästigung zu unterbinden.

Dabei bezieht sich Ortner nicht nur auf die Musik während der Messe, sondern auch auf einen Band-Proberaum. Dieser sei unter anderem von Peuckerts Sohn eingerichtet und mittlerweile zwar in den hinteren Gebäudeteil verlegt worden, dennoch will Ortner dagegen vorgehen. „Die Band hat mit der Kirche nichts zu tun, trotzdem hört man zu allen möglichen und unmöglichen Uhrzeiten das Schlagzeug“, klagt sie.

„Wir haben einen Horror“, fasst Martina Ortner die für sie derart belastende Situation zusammen.

Die Umsiedlung des Proberaums bestätigt auch Peuckert, der darin ein „Bandprojekt“ sieht, mit dem Jugendliche unterstützt werden sollen. „Die Jugendlichen haben auch probiert, den Raum zu dämmen. Aber jeden Tag, wenn geprobt wird, ist die Polizei da und hört sich das an.“ In den letzten Tagen seien die Polizeibeamt:innen sogar täglich vor Ort.

Für Anrainerin Ortner bleibt die gesamte Situation „zermürbend“, bereits ab Mitte der Woche fürchte sie sich vor dem Sonntag. Aus ihrer Sicht arte die Tätigkeit der Freikirche aus, besonders seit dem Kauf des Gebäudes werde es immer schlimmer. „Jede Woche sind zehn Leute mehr da“, so die Pensionistin, die am Anfang noch selbst Kuchen gebacken und sich Messen angeschaut hat. Mittlerweile seien ihr einzelne Mitglieder aber provokant begegnet, auch zu Beleidigungen sei es gekommen. Ihr Wunsch für die Zukunft? „Es soll alles isoliert werden. Sie sollen hinter ihren vier Wänden tun, was sie wollen, aber uns damit in Ruhe lassen.“

Kristina Sint

Kristina Sint hat Lehramt studiert und den Masterlehrgang „Journalismus und Medienarbeit“ abgeschlossen. Sie unterrichtet an der MS Egger-Lienz und lebt bei dolomitenstadt.at ihre Faszination fürs Schreiben und spannende Geschichten aus. Mehr von Kristina Sint

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chiller336
vor 27 Minuten

karma schlägt zurück

 
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