Eine Flugverbindung von Klagenfurt nach München?

Die Lilihill-Group will so das „Tor zur Welt“ öffnen. „Zukunft nachhaltig gestalten“ sieht anders aus.

In Frankreich sind Kurzstreckenflüge im Inland bereits verboten, in Deutschland wird über ein ähnliches Verbot diskutiert. Und in Österreich? Hier kündigt die Lilihill-Group, nicht unumstrittene Mehrheitseigentümerin des ohnehin schlecht besuchten Klagenfurter Flughafens, an, ab April München, Frankfurt und Hamburg von Klagenfurt aus anzufliegen.

Eine Flugverbindung von Klagenfurt nach München?! Eine Google-Suche für die Verbindung Klagenfurt-München wirft aus: Vier Stunden ist unterwegs, wer sich für diese Strecke ins Auto setzt, fünf Stunden sind es mit dem Zug. Wer geschickt bucht, zahlt gerade einmal 25 Euro für ein Bahnticket.

Wie in aller Welt kommt man also auf die Idee, für diese Strecke einen Flieger starten zu lassen? Und vor allem warum? „Das Tor zur Welt“ wolle man damit öffnen, sagen die Verantwortlichen der Lilihill-Group, welche übrigens mit dem Slogan „Zukunft nachhaltig gestalten“ wirbt.

Fraglich ist, wo die drei Herren die Corona-Pandemie verbracht haben, die zum einen eindrücklich gezeigt hat, wie schnell sich die Natur regenerieren kann, wenn sich weniger kerosinausstoßende Maschinen durch die Lüfte bewegen und zum anderen, dass das „Tor zur Welt“ längst nicht mehr bedeutet, irgendwo anders aus dem Flieger zu steigen, sondern sich die Welt längst im Digitalen abspielt.

Um bei einer großen Bank in Frankfurt zu arbeiten, muss ich nicht in einem der Wolkenkratzer in der Stadt am Main sitzen, das geht mit einem funktionstüchtigen und internetfähigen Endgerät, wie wir sie alle in mehrfacher Ausführung besitzen, auch von zu Hause aus.

Wer „Zukunft nachhaltig gestalten“ will, lässt Flugzeuge besser am Boden stehen. Foto: APA/Fessl

Gleichzeitig ergeben sich für die Klagenfurter:innen mit dem Ausbau der Südbahnstrecke zugtechnisch ganz neue Möglichkeiten: Mit Fertigstellung der Koralmbahn erreicht man Graz in 45 Minuten, durch den Bau des Semmering-Basistunnels Wien in zwei Stunden und 40 Minuten. In Innsbruck verkehren ab diesem Winter zwei Direktzugverbindungen zwischen der Tiroler Landeshauptstadt und Hamburg sowie Frankfurt. So geht nachhaltige Mobilität.

Greenpeace hat im vergangenen Jahr ausgerechnet, dass man jährlich 23,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen könnte, würde man alle Top-250-Kurzstreckenflüge in Europa durch Zugfahrten ersetzen. Ein Drittel dieser 250 Flüge ließe sich in Zugfahrten unter sechs Stunden bewältigen, so die Umweltorganisation. Betrachtet man nur jene Kurzstreckenflugzeuge, die in Österreich abheben, könnte man sogar 80 Prozent davon durch Bahnfahrten ersetzen.

Ein Forscherteam rund um Fréderéric Dobruszkes kam zum Schluss, dass das Abschaffen von Kurzstreckenflügen nur „einen geringen Beitrag“ zum Klimaschutz leiste und ein Verbot wohl nicht sinnvoll wäre, wenn dann mehr Menschen auf das Auto umsteigen und auf den Start- und Landebahnen mehr Slots für Langstreckenflüge frei werden – welche in der Luftfahrt die eigentlichen Klimasünder sind. Die Studie wird gern ins Feld geführt, wenn es darum geht, gegen ein Verbot zu plädieren.

Doch in Wirklichkeit sollte es in der Debatte um andere Dinge gehen. Erstens: Wenn wir die Klimaziele bis 2040 erreichen wollen, geht es um jedes Gramm CO2, das wir einsparen, viele „geringe Beiträge“ häufen sich zu einem großen Beitrag.

Zweitens spielt die Außenwirkung eine Rolle: Als mülltrennende, regionalkaufende, fahrrad- und öffi-fahrende Durchschnittsbürgerin ist es ohnehin oft schon frustrierend genug, zu sehen, dass man sich zwar im Kleinen bemühen mag, im Großen aber scheinbar nichts passiert. Da wirkt sich eine neue Kurzstreckenverbindung nicht gerade positiv auf klimabewusstes Verhalten aus. Und auch hier geht es um die kleinen Beiträge, die zu etwas Großem werden.

Drittens darf man auch das menschliche Mobilitätsverhalten hinterfragen und überlegen, dass sich von A nach B zu bewegen für die Menschheit viele Jahrhunderte lang – um genau zu sein vom ersten Menschen bis zur Erfindung des Automobils – beschwerlich war und (meist) aus eigener Körperkraft bewältigt werden musste. Da ist es auch in Ordnung, zwischendurch die „Strapazen“ einer längeren Zugfahrt auf sich zu nehmen, anstatt die zurückzulegende Strecke auszublenden und sich in den Flieger zu setzen.

Reisen und Fliegen ist nicht per se schlecht, ersteres für unseren Tellerrand sogar enorm wichtig, aber alles sollte in Verhältnismäßigkeit und mit Maß und Ziel gesetzt werden. Und nochmal: Viele kleine Beiträge werden zu einem großen – in die positive wie in die negative Richtung. Es liegt an uns, die Entscheidungen zu treffen.

Anna Maria Huber studiert in Innsbruck, schreibt nicht nur für dolomitenstadt.at sondern auch für die Straßenzeitung 20er und betreut unser Redaktionsbüro in der Landeshauptstadt. Annas Stärken sind penible Recherchen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte in klare und verständliche Artikel zu verwandeln.

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10 Postings

Hochosterwitz

Die Airlines müssen gezwungen werden auf Alternativen Antribe umzustellen wie Wasserstoff E Fuls sollte im Flugverkehr Verboten sein finde ich dann kann das Flug Angebot bleiben wie es ist finde ich. Werden weniger Flüge angeboten haben viele Menschen keinen Job mehr das sollte jeder bedenken der solche Sachen verlangt finde ich.

 
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unholdenbank

Diese, eiligst aus dem Boden gestampfte Fluggesellschaft dient lediglich dazu, um die drohende Call-Option auf das Flughafengelände abzuwehren. Wenn die Lilihill-Gruppe nicht rechtzeitig 100.000 Flugpassagiere garantieren kann, darf das Land das Flughafenareal wieder zurückkaufen. Und das will die Lilihill-Gruppe auf keinen Fall, weil dann das große Immobiliengeschäft tot ist. Dort geht es ja in Wirklichkeit um die Baugründe in Annabichl und nicht ums Fliegen. Gerüchten nach kann man das Lufthansa Logo am Leitwerk der vorgestellten Maschine noch erkennen - der LILIAIR - Schriftzug ist ja auch nur eiligst für die Präsentation aufgeklebt. Dass sich die abgebildeten Herren dafür hergeben - tstststs.

 
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steuerzahler

Zuerst muß das Angebot der Bahn drastisch verbessert werden. Wenn die Verbindungen und vor allem die Anschlüsse passen, werden von alleine viele die Bahn benutzen. Ich vermisse bei aller Aufmerksamkeit auf den Individualverkehr den Fokus auf den Frachtverkehr. Die gigantischen LKW-Flotten verbrauchen ein Vielfaches an Treibstoff. Hier würde sich ein Umdenken wesentlich mehr lohnen. Produktion vor Ort, Lieferungen per Bahn, Lagerhaltung statt just in time, Kurzstreckenlieferungen unterirdisch, usw. Es muß immer zuerst die Alternative gestellt werden, dann wird der Kunde entscheiden. Nur einfach Änderungen fordern, ist zu wenig. Die Bahn schläft leider tief und fest, bekommt dafür staatliche Zuschüsse, keinen Anreiz für Verbesserungen. Hier müssen tiefgreifende Änderungen stattfinden. Europaweite Harmonisierung der Bahnsysteme sind nur erster Schritt. Übrigens, ein vollbesetzter Jet verbraucht pro Sitzplatzkilometer weniger als jedes Auto. Ein leer fliegender ist so unnötig wie die Lienzer Geisterbusse.

 
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Leon Wolf

Noch dämlicher gehts wohl nicht! Wie kann man sowas bloß zulassen!? ALLE innereuropäuschen Flüge könnten ganz einfach durch Züge ersetzt werden. Sowas darf nicht passieren! Vorallem gibt es ja gute Railjet Verbindung von Klagenfurt nach Münchnen!!

 
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    so ist es vielleicht

    Ganz mein Gedanke!!!! Aber die Besseren fahren nicht, sie jetten, sonst gäbs ja keinen Jetset mehr! 😄

     
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    Hannes Schwarzer

    JA, aber die Railjet Verbindungen liefern dem Klagenfurten Flughafen eben nicht die geforderten 100000 Passagiere p.a. und damit wäre die versuchte Bodenspekulation des Investors unmöglich.

     
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Urmel

Ein sehr guter Artikel - gut recherchiert und perfekt umgesetzt ! Und oberdrein sehr zeitgemäß !

 
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Bergtirol1

Kompletter Schwachsinn in heutigen Zeiten noch in Fluglinien zu investieren - - das Geld wäre wo anders mehr als gut untergebracht!!

 
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senf

oschtadio no amol :-)

lienz-klagenfurt/flugplatz mit dem PKW ca. 170 km und dann vom flugplatz nach münchen (bahn) 50 km = 220 km

oder

lienz münchen durch den felber mit dem PKW ca 220 km oder Mix Bus/Bahn rund 240 km

oder

oder lienz -spittal-salzburg -münchen mit der Bahn 270 km*

(nur geschätzte routenlängen)

a paar depperte aus unserer region werden das flugangebot sicher annnehmen, anna maria!

 
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Enrico Andreas Menozzi

Anna Maria Huber 👍🙏💪🔝

 
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