Als die Stadtführung von Lienz in der Gemeinderatssitzung am 14. September gefragt wurde, mit welchem Programm und in welcher Zusammensetzung eine Delegation der Stadt - zum Teil öffentlich finanziert - in die Vereinigten Staaten reisen wird, verweigerten sowohl Bürgermeisterin Elisabeth Blanik als auch sämtliche im Ratsaal anwesenden Mitreisenden genauere Auskünfte. Schon die Frage, gestellt von Gemeinderätin Ursula Strobl (Team Lienz) wurde als übergriffig empfunden.
Vom Pressesprecher der Stadt, Bernd Lenzer, kam ebensowenig eine konkrete Medieninformation, wie von Jasmina Steiner, der Leiterin des Stadtmarketing, die selbst an der Exkursion in die Rocky Mountains und nach Washington DC teilnahm.
Also bleibt vorerst nur die Spurensuche im Netz. Tatsächlich beschreibt das regionale Portal Jackson Hole News & Guide, den Besuch der Lienzer Delegation in Jackson ausführlich und auf der Facebook- und der Instagram-Seite der österreichischen Botschaft in Washington sind Bilder und ein kurzer Text zu finden. Das Jackson-Portal widmet sich auch den besprochenen Themen. Im Gemeinderat wurde mehrfach der Arbeitscharakter des Besuches betont. Hier der Link zur Originalseite, deren Text wir übersetzt haben:
Lienz, Österreich: Politiker erobern die Stadt, ehren Stiegler und die Partnerstadt
Wenn Besucher nach Jackson kommen, gehört es fast schon zum guten Ton, sie zumindest einmal in die Million Dollar Cowboy Bar mitzunehmen. Das weiß sogar die Stadtverwaltung von Jackson.
In den vergangenen Tagen empfingen Mitarbeiter und Vertreter der Stadt Jackson lokale Politiker aus Lienz in Österreich – der ersten der beiden Partnerstädte Jacksons. Dabei tauschten sie sich über Ideen, Lösungen und kulturelle Besonderheiten aus. Am vergangenen Wochenende gehörte dazu auch ein Besuch in Jacksons berühmter Cowboy Bar, wo mindestens ein österreichischer Besucher beim Swingtanz herumgewirbelt wurde.
Ein anderes Mitglied der österreichischen Delegation bedauerte, dass er wegen des großen Andrangs keinen Platz auf einem der Sättel an der Bar ergattern konnte. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik war besonders beeindruckt vom synchronen Line Dance der Gäste.
„Mir hat es sehr gut gefallen, vor allem wegen des Tanzens“, sagte Blanik. „Es ist wirklich schön, und ich dachte mir, ich sollte das in Lienz einführen, weil es die Menschen so gut miteinander verbindet.“
Zum Programm der österreichischen Politiker gehörten Besichtigungen in der Stadt und im Grand-Teton-Nationalpark. Dadurch ergaben sich zahlreiche Gelegenheiten, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen einer kleinen mittelalterlichen Stadt in Österreich und einer kleinen Westernstadt in Wyoming zu vergleichen.

Am Montagmorgen (21. September) trafen sich die Vertreter aus Lienz und Jackson im Rathaus, um sich gegenseitig über die Herausforderungen ihrer Städte zu informieren. In vielerlei Hinsicht waren diese erstaunlich ähnlich. Der Umgang mit dem Klimawandel war ebenso ein wichtiges Thema wie die Fragen, wie man den Tourismus bewältigen, leistbaren Wohnraum schaffen und mit dem Wachstum der Städte umgehen kann.
Einige der österreichischen Vertreter, die Jackson bereits 2009 und 2018 besucht hatten, bemerkten, wie sehr sich die Stadt in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten verändert und entwickelt hat. Trotzdem schätzten sie den Kleinstadtcharakter, der sie an Lienz erinnerte.
„Es ist wie zu Hause – es gibt kleine Häuser, keine großen Häuser, und alles ist vertrauter“, sagte Matthias Mühlburger, ein Ranger im Nationalpark Hohe Tauern, der direkt an Lienz grenzt. „Wenn man in die Geschäfte geht, sind die Leute freundlich, und das ist perfekt. Deshalb liebe ich Jackson.“
Und dann sind da noch die Hunde. Lienz beschäftigt sich derzeit mit der Frage, ob Bereiche geschaffen werden sollen, in denen Hunde frei laufen dürfen. Diese Diskussion entstand auch deshalb, weil die Lienzer Politiker erfahren hatten, dass sich die Verantwortlichen in Jackson derzeit mit der Frage beschäftigen, ob Hunde in den Parks der Stadt erlaubt werden sollen.
„Wir stellen immer wieder fest, dass wir eigentlich die gleichen Probleme haben“, sagte Gerlinde Kieberl, eine Lienzer Gemeinderätin. Am Montagabend wirkte die Gruppe bereits wie alte Freunde, als sie sich zu Getränken und unzähligen Lachern im Jackson Hole History Museum versammelte.
Es war ein regelrechtes Stelldichein von Politikern und Regierungsvertretern aus Wyoming und Österreich. Die österreichischen Gäste trafen dabei unter anderem auf ehemalige Jacksoner Politiker wie Mark Barron sowie auf Eric Barlow, den republikanischen Kandidaten für das Amt des Gouverneurs von Wyoming. Doch wenn es einen Star des Abends gab, dann war es Josef „Pepi“ Stiegler.
Stiegler wurde 1937 in Lienz geboren und trug maßgeblich dazu bei, die Verbindung zwischen Lienz und Jackson Hole aufzubauen. Nachdem er nach Wyoming gezogen war, gründete er die Jackson Hole Ski School am Jackson Hole Mountain Resort, das damals noch Jackson Hole Ski Area hieß.
Lienz ist – ähnlich wie Jackson – von Skigebieten und Bergen umgeben. Stiegler gewann bei den Olympischen Winterspielen 1964 die Goldmedaille im Slalom. Im darauffolgenden Jahr zog er nach Wyoming.
„Dieser junge Mann hier sagte in den 60er-Jahren: ‚Wir brauchen eine Verbindung zu meiner Heimatstadt‘“, sagte Bürgermeister Arne Jorgensen bei einem Toast, während Stiegler in der Nähe einer historischen Blockhütte saß. „Und hier sind wir nun – und pflegen diese Verbindung noch immer.“
Das Wiedersehen mit Stiegler bedeutete der österreichischen Delegation sehr viel. „Ein großes Highlight war es, Pepi Stiegler wiederzutreffen“, sagte Wilhelm Lackner, ein Lienzer Gemeinderat, auf Deutsch und mit Unterstützung eines Übersetzers. „Er ist der Initiator dieser Partnerschaft.“
Text: Alex Viveros
Ein vorgezogener „Austrian National Day“ in Washington
Die Delegation aus Lienz, zu der auch Historiker Martin Kofler vom TAP (Tirol Archiv Photografie) zählte, blieb aber nicht in den Rocky Mountains, sondern machte auch einen Abstecher nach Washington, wo in der österreichischen Botschaft ein vorgezogener „Austrian National Day“ zelebriert wurde, unter anderem gesponsert von Red Bull, Doppelmayr, Darbo, der Erste Bank und weiteren heimischen Firmen.

Hier der Originaltext aus den Social Media Beiträgen der Botschaft, auf denen auch einige Bilder der Lienzer Delegation zu finden sind:
„Ein bisschen früh, aber nicht weniger besonders — wir haben den österreichischen Nationaltag mit einer Abendfeier zur österreichischen Kultur, Geschichte und Verbindung kombiniert. Die Eröffnung unserer Ausstellung „Alpine Ambitions: Wie die Österreicher die amerikanische Skikultur beeinflussten“ war der perfekte Anlass, alles zusammenzubringen.
Wir waren geehrt, dass die Bürgermeisterin von Lienz, Elisabeth Blanik, und Mitglieder des Stadtrats uns bei dieser Feier begleiteten. Dies war besonders passend, da der in Lienz geborene olympische Skisportler Josef „Pepi“ Stiegler Ende der 1960er Jahre nach Jackson Hole, Wyoming, zog, wo er eine wichtige Rolle in der Entwicklung der lokalen Skigemeinschaft spielte. Seine Geschichte half dabei, eine dauerhafte Brücke zwischen den österreichischen Alpen und dem amerikanischen Westen zu schaffen.
Wir möchten uns bei allen unseren Sponsoren herzlich bedanken! Es war ein wunderbarer Abend voller Kultur, Gespräch und Gemeinschaft, der Österreich, die österreichischen Beiträge in den USA und die Freundschaft zwischen unseren beiden Nationen feierte.“
13 Postings
haha line dance .... tanzn eh schon alle nach der pfeife der bgmin .... dass es in lienz bereits die möglichkeit zum linedancen gibt, scheint unserem stadtoberhaupt wohl entgangen zu sein
Der einzige Skandal in dieser Angelegenheit ist, dass man aus einer höflichen Frage einer Gemeinderätin in der öffentlichen Sitzung einen Skandal macht ...
Ein Skandal ist ganz etwas anderes! Da Du ja nicht dabei warst (die fast immer gleichen 5 Zuhörer kennt man ja) musst Du Deine Info irgendwo aufgeschnappt haben! Wie das mit dem Hörendagen so ist, wissen wir alle! Als Skandal könnte man die Taktik der Frau Strobl bezeichnen, Beschlossenes immer wieder aufzuwärmen: das war beim Iselsteg (Breite) so, auch im Jackson Fall war die Angelegenheit mit dem Budgetbeschluss eigentlich monetär erledigt. Mangelnde Information durch den eigenen Fraktionschef Franz kann man wohl kaum der Bürgermeisterin vorwerfen! Wäre dies etwa gar eine Holschuld?
"Neben einem Besuch der Partnerstadt Jackson Hole in Wyoming ist ein Abstecher in den nahegelegenen Yellowstone Nationalpark geplant und auch ein Abstecher in die US-Metropole Washington. Dort ist in der österreichischen Botschaft im Herbst eine Fotoausstellung über den Lienzer Skihelden Pepi Stiegler zu sehen, der in den sechziger Jahren sehr erfolgreich war und in die USA auswanderte. Weiters sind in Washington ein Besuch des Weißen Hauses und des Congresses eingeplant".
Diese Details wurden allen Gemeinderäten einigen Wochen vor der Gemeinderatssitzung am 15. Dezember 2025 per e-Mail übermittelt, mit der Bitte um Anmeldung bis 25. November. Fünf Personen haben sich gemeldet, man nimmt aber an, dass es an die 10 Personen sein werden. Im Mail wurde auch mitgeteilt, dass ein Selbstbehalt der Teilnehmer zu tragen ist. So der Bericht in der Dolostadt im Dez. 2025.
Seit dieser Zeit haben immerhin acht Gemeinderatssitzungen stattgefunden, eine Diskussion oder Fragen über die Reise gab es anscheindend nicht, auch nicht auf Anregung des Teams Lienz von Frau Dr. Strobl. Warum man ausgerechnet zwei Tage vor der Abreise der Delegation öffentlich eine Debatte oder besser gesagt einen Konflikt bewusst herbeiführt ist mir schleierhaft, zumal eine Diskussion, ja sogar ein Absagebeschluss über die 8 Monate wohl möglich gewesen wäre. Insofern ist Herrn Schwarzer Recht zu geben. Ich nenne so was Inszenierungspolitik. Oder: Wer zu spät kommt, den ...
viel gewese um eine kleine reise im rahmen derer man auch die partnerstadt besucht. offensichtlich politisch immer noch sommerloch, wenn das als kontroverse herhalten muss. wenn man selbst keine inhalte hat, muss man (in diesem team lienz) halt einen skandal herbeifantasieren.
Hätte sich die Delegation vielleicht zum Gaza-Krieg äußern sollen?
hä? thema verfehlt?
warum?
Man könnte es also so zusammenfassen: außer Spesen ( und etwas Unterhaltung) nichts gewesen.
Naja, wenn man das Stadtfest mit zigtausenden Euros und enorme Bauhofleistung fördert, dann ist es ja auch nichts andres als Unterhaltung zur Bespassung einiger. Sogar mit mit Alkohol. Es wird immer die Sinnhaftigkeit sein, die einige hinterfragen. Man muss ja nicht immer den Gesamtüberblick über gesellschaftliches Handeln haben. Und das ist gut so!
@Senf, das Stadtfest wird für die eigene Bevölkerung gesponsert, nicht für einzelne Personen des Stadtrates und Alkohol dürfte wohl da wie dort geflossen sein. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es den Lienzern gar nicht so sehr um die Reise selbst gegangen ist, sondern eher um die Finanzierung durch die Steuerzahler, während von Seiten der Stadtpolitik immer wieder sparen angesagt ist. Und was Sie mit dem "Gesamtüberblick über gesellschaftliches Handeln" in Bezug auf die USA Reise zu einem ehemaligen Schihelden, der vor über 60! Jahren seiner Heimat den Rücken gekehrt hat meinen, erschließt sich mir nicht - aber Sie haben recht, man muss nicht alles wissen...
@isnitwahr, sie haben also den Eindruck, "dass es den Lienzern gar nicht so sehr um die Reise selbst gegangen ist, sondern eher um die Finanzierung durch die Steuerzahler". Wie sie dazu kommen sollen sie verantworten. Die langwierige Diskussion über die Reise brachte ja die sonderbarsten Argumente hervor. Trotzdem: man besiegelt eine Städtepartnerschaft und geht damit Verpflichtungen ein. Für eine Weile, dann lässt man es über Jahre so "dahinglaggln", rafft sich wieder dazu auf und schafft Tatsachen. Gemeint ist der Willensbeschluss von 2018, also alle sechs Jahre einen Gegenbesuch abzustatten, was ja mit etwas Verspätung 2026 ernst genommen wurde. Spannend, ob nun nach diesen Eindrücken jemand im GR den Mut hat, die Auflößung der Partnerschaft endlich zu beantragen und wie dann entschieden wird. Vielleicht gar mit dem Gesamtblick über gesellschaftliches handeln - für das Dolomitenstädchen Lienz und seinem Image?
Und ja, @isnitwahr, ein alljährliches Stadtfest mit enormen Beiträgen aus Steuermittel und Pflichtabgaben aus dem TVB-Budget mit zu finanzieren mag zwar auch einen (pol.) Gesellschaftszweck dienen? Funktioniert so was ohne dieser Subventionitis nicht? Geht es den Gästen dort nicht um Spaß und gute Laune, die sich selber locker leisten könnten? Hier scheint die Zeit stehen geblieben sein - so wie auf der Uhr im Dolomitenbad. Ende!
Fast hätt ichs vergessen, auch jedes Kirchtagsfest ist eine gemeinsames "Event" dörflicher Kultur, man trifft sich, zeigt sich in der örtlichen Tracht, feiert und besäuft sich und glaubt an den lieben Gott mit seinem Namenspatron. Fein, ein Dorffest mit Blasmusi und Tanz funktioniert seit Generationen ohne Zuschuss der Gemeinde, also ohne Steuerzahler, die Kommune verdient dabei sogar. Jeder Laufmeter Standl kostet den angereisten Wanderhändler (viele aus Kärnten ...) a patzn Geld, auch wenn sein Umsatz längst weit unter den Erwartungen liegt. Diese Tradition trotzt Amazon immer noch. Ja und dazu kommen auch noch Kommunalsteuern, meint das Dorfoberhaupt beim Anstoßen. Man ist an deisem Tag ja großzügig.
Den Holzspaltkeil, die Kuhglocke, auch die Lodenhose und den türkischen Honig, vielleicht auch den Stopslrevolfver für den kleinen Knirps und das Lebkuchenherzerl für die Allerliebste kauft man nach hartnäckigem Feilschen am Standl immer noch billiger als er aus dem Versandpaket, und das ohne Rückgaberecht. Vielleicht ist das der "kleine" Unterschied zur Stadt, dessen Besäufnisfeste (Stadtfest) anscheinend nur mehr mit Hilfe des Gemeindesäckelwart und Franzls Großzügigkeit von Statten gehen können. Bleibt aber alles Ansichtssache, liebe/r @isnitwahr! .-)
Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren