Lage in Osttirol: „Rasche Maßnahmen waren notwendig“

Sechs Fragen an die Landesverwaltung zur Osttiroler Teststrategie und zu neuen Mutationen.

Der Auftakt zur Testpflicht in den drei Osttiroler „Sperrgebieten“ ist zwar gelungen, am Wochenende häuften sich allerdings negative Begleiterscheinungen. Warteschlangen vor den Testzentren, Verwirrung in der Bevölkerung und nicht zuletzt die Warnung des Virologen Gernot Walder vor neuen Virusvarianten drückten die Stimmung im Bezirk spürbar. Um den Corona-Nebel rund um die Testpflicht etwas zu lichten, haben wir einige Fragen an die Presseabteilung des Landes gestellt und folgende Antworten erhalten:

Wer ist für Timing und Organisation der Tests in Osttirol verantwortlich?

Die Maßnahmen zur Testung wurden in enger Abstimmung zwischen der BH Lienz als zuständige Gesundheitsbehörde und den betroffenen Gemeinden gesetzt. Ein rasches Handeln wurden seitens der Einsatzstäbe in Abstimmung mit weiteren ExpertInnen aufgrund der derzeitigen Infektionslage im Bezirk Lienz als absolut notwendig erachtet. Allen voran auch deshalb, um bestmöglich zu vermeiden, dass sich das Coronavirus und seine Mutationen etwa durch den arbeitsbedingten PendlerInnenverkehr unerkannt im Bezirk weiterverbreiten kann.

Welche Organisationen sind daran beteiligt und wer koordiniert das alles?

Die Koordination erfolgt grundsätzlich zwischen den Gemeinden und einem privaten Labor. Über die generellen Maßnahmen wurden die Einsatzorganisationen wie etwa das Bezirkspolizeikommando sowie Interessensvertretungen frühestmöglich durch die Bezirkshauptmannschaft Lienz eingebunden und informiert. Auch die Öffentlichkeit wurde am Freitagnachmittag umfassend informiert.

Gibt es nach dem holprigen Start eine Strategie zur Optimierung der Abläufe?

Wir bitten höflich um Verständnis, dass die Maßnahmen aufgrund der derzeitigen Infektionslage im Bezirk Lienz rasch gesetzt werden mussten. Wir möchten uns bei allen Beteiligten für eventuelle Unannehmlichkeiten, die dadurch entstanden sind, entschuldigen. Das Setzen rascher Maßnahmen war aber nach Abstimmung der Gesundheitsbehörde mit dem Einsatzstab und weiteren ExpertInnen notwendig. Parallel dazu wurde zum bereits bestehenden Angebot unter Hochdruck ein erweitertes, möglichst breites Testangebot in den betroffenen Regionen ins Leben gerufen, sodass jedem betroffenen Osttiroler und jeder Osttirolerin in seiner/ihrer näheren Umgebung zumindest eine Testmöglichkeit zur Verfügung steht.

Darüber hinaus machen wir auch nochmals auf die rund 1.000 ÄrztInnen (tirolweit) sowie die Apotheken aufmerksam, die bei der Aktion „Tirol testet“ mitmachen und wo man sich auch kostenlos auf das Coronavirus testen lassen kann. Die Gesundheitsbehörde ruft nochmals explizit alle OsttirolerInnen auf, sich regelmäßig testen zu lassen und alle Vorgaben wie Abstand halten, Tragen von FFP2-Masken und Einhalten der Händehygiene einzuhalten. Nur gemeinsam kann der Corona-Pandemie die Stirn geboten werden.

Was kann das Land zum Thema Mutationen in Osttirol sagen?

Als in anderen Bezirken wie etwa dem Bezirk Schwaz bereits mehrfach Vorkommen beispielsweise der südafrikanischen Virusvariante nachgewiesen werden konnten, gab es im Bezirk Osttirol im selben Zeitraum noch keine bestätigten Fälle. In den letzten Wochen hat sich – wie in ganz Österreich – auch in Osttirol allen voran die britische Virusmutation (B.1.1.7) verbreitet.

Aktuell sind nach den dem Land Tirol vorliegenden Informationen 195 Personen mit der britischen Virusvariante infiziert. Darüber hinaus trat in Tirol zuletzt eine mutierte Form der britischen Virusvariante auf (B.1.1.7 mit E484K-Zusatz). Mit dieser Form sind derzeit 18 Personen im Bezirk Lienz infiziert. Hinsichtlich der südafrikanischen Virusmutation gibt es in Osttirol derzeit keine Infektionen, die der Behörde bekannt sind. Dieses Mutationsgeschehen zeigt, dass die Lage in Osttirol durchaus ernst zu nehmen ist und entsprechende Maßnahmen bereits Ende letzter Woche rasch gesetzt werden mussten.

Wie werden die Kontrollen organisiert?

Das Bezirkspolizeikommando in Osttirol führt in Zusammenarbeit mit dem Bundesheer die entsprechenden Kontrollen stichprobenartig an den Regionsgrenzen der drei definierten Ausreiseregionen durch.

In vielen Orten des Bezirkes steigen die Zahlen stark. Ist eine Gesamt-Ausreisekontrolle angedacht?

Die 7-Tage-Inzidenz in Osttirol ist mit 469,9 (Quelle AGES, Stand 12.4.) die höchste in ganz Österreich. Die Lage in Osttirol sowie die gesetzten Maßnahmen der Ausreisetestpflicht für die drei definierten Regionen werden derzeit seitens der BH Lienz als Gesundheitsbehörde sowie des Corona-Einsatzstabes laufend und mehrmals täglich evaluiert und analysiert. Erfahrungsgemäß dauert es eine gewisse Zeit, bis die gewünschten Effekte nach einer derart gesetzten Maßnahme erzielt werden. Allfällige weitere Schritte werden davon abhängen, wie sich die epidemiologische Lage in Osttirol entwickelt.

Die Arbeit von
dolomitenstadt.at unterstützen

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade in Krisenzeiten ist faktenorientierte und schnelle Information wichtig.
Wir arbeiten trotz Rückgang bei den Werbeeinnahmen mit großem Einsatz, um Sie bestmöglich – und kostenlos! – zu informieren.

Wenn Sie unsere journalistische Arbeit mit einem einmaligen Beitrag unterstützen möchten, haben Sie jetzt Gelegenheit dazu. Wir würden uns freuen!

Sie möchten dolomitenstadt.at unterstützen?

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

22 Postings bisher
ria

Massnahmen waren notwendig??? Bei 2 (jetzt 3) Fällen in Ausservillgraten und 7 in Sillian, vor 3 Wochen gab es in Sillian über 30 und da gab es keine Massnahmen. oder was ist mit Lienz Dölsach und Matrei? da gibt es ja vergleichsweise weit mehr Fälle als z.B. in Leisach etc....ich muss schon sagen, dass ich das Gefühl habe, dass hier die falschen Orte gesperrt wurden!!!

    rebuh

    hast da wohl was versäumt, schon vor 3 wochen gabs in sillian den ausreisetest, und gesperrt wurde niemand.

      ria

      echt 😳?? mit Sperren und Kontrollen?

      as

      ausreisetest auf freiwilliger basis wars damals, das muss man dazu sagen!

    Analyst

    @ria!

    Ich denke das Problem sind nicht die einzelnen Fallzahlen in den Gemeinden sondern das Phänomen das die positiv getesteten und Cov19 diagnostizierten Personen keine Kontaktpersonen (K1) angeben!

    Denke das ist eben auch dieser unart verschuldet!!

so ist es vielleicht

Danke für die Informationen, liebes Dolomitenstadt-Team.

Leider nur durch euch kommt man überhaupt zu verständlichen Hintergrundinfos, nur gut, dass es investigativen Journalismus bei uns noch gibt, sonst würde man wohl gar nichts mehr erfragen und hat einfach zu kuschen. Die Menschen tragen Entscheidungen halt leichter mit, wenn sie sie auch verstehen!

birgit-1975

3x musste ich mein Testergebnis auf der Strecke Sillian nach Lienz vorzeigen...trotz Termin bei der Testung musste ich mich der meterlangen Schlange vordrängeln, da ich einen Termin in Lienz hatte...dies gehört getrennt abgefertigt...

Stimme

Ein Politiker namens Dominik hat bis jetzt nicht gewusst, dass es in Lienz eine Teststation gibt, wo sich sehr viele Freiwillige, schon seit Monaten ihre Zeit zum testen von Menschen verteiben. Dies auch für Politiker, die Vorbilder sein sollten. Wahrscheinlich ist er auch so ein freiheitlicher Coronaläugner, und dazu will er als BM von Lienz kandidieren, solche "Kandidaten" brauchen wir ganz besonders. Sich noch dazu beschweren, dass er kontrolliert wird, eine Schande den Menschen gegenüber, die sich an die notwendigen Maßnahmen halten.

    Domenik Ebner

    Liebe/r Stimme.

    Ich bin fast etwas sprachlos aufgrund ihres Postings.

    Bis dato hab ich mich seitdem es die Testmöglichkeiten gibt im Schnitt etwa 2x pro Woche testen lassen - In Lienz ;) und in Sillian.

    Mich mit freiheitlichem Gedankengut in Verbindung zu bringen ist net mal mehr "kreativ"... Können ja gern mal auf einen Kaffee gehen - wenns wieder erlaubt ist.

    Beschwerde aufgrund von Kontrolle? Bitte interpretieren Sie nichts herbei, was überhaupt nirgends steht und möglicherweise Ihrem Bild von mir entspringt (daher Kaffeeeeinladung steht...)

    Konkret beschwere ich mich über die schlechte Kommunikation als auch über die Auslegung der Verordnung die nachweislich falsch war.

    Beste Grüße

Ruf

Die Kommunikation war verherrend. Wenn den Leuten das gesagt wird was heute Gernot Walder gesagt hat gibt es ein Verständnis für die Massnahmen. So wie das eingeführt wurde zeugt von mangelndem Gespür und auch mangelnder Wertschätzung der Bevölkerung und das nach über einem Jahr Pandemie. Gemeinden waren wie aus Bgm Brunner seiner Stellungnahme zu entnehmen ist wohl nicht so eingebunden wie Land sagt und wurden diese auch überrumpelt. Es gibt wohl noch immer keine Massnahmenpläne des Landes die die Ischglkommission vorgeschlagen und eingefordert hat.

    SO

    Dem stimme ich voll und ganz zu. Größtenteils sind die Menschen durchaus bereit, erneut Maßnahmen in Kauf zu nehmen, allerdings wollen sie auf Augenhöhe behandelt und involviert werden. Dr. Walder danke ich für die Einschätzung, er hat mit wenigen Worten die Sachlage erläutert und verdeutlicht. So stelle ich mir GEMEINSAM GEGEN CORONA vor und nicht anders. Was mir allerdings noch am Herzen liegt ist die Tatsache, dass sich unsere Kinder wöchentlich bis zu 3mal testen lassen, ohne Murren, ohne langes Drama und sich zahlreiche Unternehmen immer noch weigern, in ihren Betrieben das Testen anzubieten bzw. zu fordern. Den Kindern und Jugendlichen gegenüber eine Schande. Sie sind diejenigen, die meiner Meinung nach die größten Einbußen der Krise haben und müssen dann noch die Hauptlast auf ihren Schultern tragen. Ein Appell an all jene, die sich jetzt angesprochen fühlen 😉

      leniiii

      Die Menschen wollen auf Augenhöhe behandelt werden? So einen Blödsinn habe ich selten gehört/gelesen. Ist es nicht so, dass egal was die Politik kommuniziert, speziell in diesem Forum, sofort zerrissen wird- gehetzt, angegriffen, beschimpft wird??? Wenn Dr. Walder Vorsicht einmahnt, dann laufen alle hinterher, dann verstehen wir plötzlich Maßnahmen und sind auch bereit diese mitzutragen. Wenn BK Kurz, bzw. die Regierung Vorsicht einmahnt, dann gibt es nur Häme und Kritik. Doppelmoral hoch drei!

      SO

      Leniii, ich freue mich für Sie, wenn Sie am Freitagnachmittag die Sinnhaftigkeit der Absperrungen der 3 Regionen bereits verstanden haben. Ich hätte mir allerdings eine Erklärung dazu gewünscht u zwar nicht erst 3 Tage später 🤔😉

      leniiii

      @SO: Wissen, Verstehen... seit einem Jahr sind die Medien voll von Informationen. Wir lasen zuletzt von 4000 Toten an nur einem Tag in Brasilien, ich las heute von rund 1 Mio Toten in der EU... wie gehen wir denn mit diesem Wissen um? Nach wie vor steigen die Zahlen im Bezirk, seit Wochen haben wir Spitzenwerte - nichts hat sich geändert, obwohl wir doch alle soviel wissen und anscheinend auch verstehen? Nichts, rein gar nichts! Unser Bestreben ist es Fehler, Versäumnisse anderen zuzuschreiben. Krankhaft wird danach gesucht, wem wir denn wieder die Schuld geben können, scheiß Politik, scheiß Regierung, scheiß Kommunikation, scheiß Impfstoff, Scheiß Impfstrategie... und und und. Dabei müssten wir uns doch nur auf die eigene Schulter klopfen. Unsäglich dummes Individuum "Mensch"!

Domenik Ebner

Rasche Maßnahmen... sorry eine blödere Ausrede für die missglückte Kommunikation ist niemanden eingefallen?

Seit Wochen war Osttirol mit Abstand der schlechteste Bezirk Tirols bezüglich Inzidenz... und da war dann eineNacht und Nebel Aktion übers Wochenende nötig?

Aber ja eh - natürlich wieder alles richtig gemacht.

    S-c-r-AT

    Herr Ebner, können Sie uns Ihren Wahlkampf hier bitte ersparen? Es ist sooo offensichtlich, was Sie hier betreiben. Die Wahl findet erst im Februar statt. Bis dorthin sollten Sie und Ihre Truppe endlich mal produktiv mitarbeiten und nicht ständig gegen alles wettern. Schlimmer als Herr K. von der FPÖ.

      leniiii

      👍👍👍

      rebuh

      so seins, die neos. waren doch auch die, die schon vor jahren das olala zum missfallen des veranstallters als wahlkampfbüne benutzten!

      Muehle

      Was heißt denn mitarbeiten bei Ihnen?

      Warum sollte man als Politiker nicht kundtun, wenn man mit einer Entscheidung nicht zufrieden ist? Vor allem wenn in der Opposition die Möglichkeiten ohnehin begrenzt sind.

      bergfex

      Wenn Herr Ebner unter einem anderen Nick schreiben würde, wäre es aber für sie in Ordnung. Nur weil er mit Klarnamen schreibt, ist es Wahlwerbung ??

      S-c-r-AT

      @bergfex

      Dann wärs ja keine Wahlwerbung für den guten Mann.

Bergtirol1

Ein Lob an "ALLE" die in irgendeiner Weise und Form an der spontanen Umsetzung aller Auflagen mitgewirkt haben.(Politik, Polizei, Tester, Behörden, Bürgermeister, Bürger etc.) Auch wenn nicht alles perfekt geklappt hat denk ich mir, ein kleines Lob hört jeder gerne 👍👍👍