Tiroler Brutvogelatlas: Wer zwitschert denn da?

640 Seiten sollen Naturschutz stärken und als wissenschaftliche Grundlage dienen.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts singen Generationen von Kindern „Alle Vögel sind schon da“. Welche Vögel wirklich da sind und wo sie in Tirol singen und zwitschern, dem geht der erste Tiroler „Brutvogelatlas“ nach, der am Dienstag im Innsbrucker Alpenzoo präsentiert wurde. Das neue Sammelwerk bildet Verbreitung und Vorkommen von 180 Brutvogelarten in Tirol ab.

V.l.: Projektleiter Reinhard Lentner, Kurt Kapeller (Abteilung Umweltschutz), LHStvin Ingrid Felipe und Gàbor Wichmann von „BirdLife Österreich“. Foto: Land Tirol/Die Fotografen

Für den Erhebungszeitraum zwischen 2010 und 2018 wurde ein jährlicher Brutvogelbestand von 2,4 bis 2,9 Millionen Brutpaaren, Revieren oder Hähnen ermittelt. Rund tausend Personen haben Daten geliefert, die ein 25-köpfiges Kernteam kartiert und ein Autorenquartett verbalisiert hat. „Der Brutvogelatlas ist in den kommenden Jahren das Standardwerk für den Vogel- und Naturschutz in Tirol und damit auch wesentliche Entscheidungsgrundlage bei naturschutzrechtlichen Verfahren“, so Umweltlandesrätin Ingrid Felipe.

Insgesamt neun Jahre lang wurden Erhebungen durchgeführt, deren Ergebnisse nun auf 640 Seiten dokumentiert und illustriert sind. Diese Daten werden laut dem Vorstand der Abteilung Umweltschutz, Kurt Kapeller, zur wissenschaftlichen Basis für naturschutzrelevante Planungen auf Gemeinde- und Landesebene: „Der Brutvogelatlas bietet den Projektanten schon vor Verfahrensbeginn einen fundierten Überblick zu den Vorkommen und ist für die Behörden eine fachliche Grundlage bei ihren Entscheidungen.“

Eindrucksvoll in der Luft und auf dem Papier: Der Rotmilan hat sich in Nordtirol angesiedelt und brütet erfolgreich. Foto: Patrick Mösinger

Im Rahmen der Erhebungen konnten neben bekannten Brutvögeln wie Rotkehlchen oder Amsel auch neue Mitglieder – wie Graugans, Schafstelze und Rotmilan in die Tiroler Vogelschar aufgenommen werden. Die am häufigsten nachgewiesenen Arten sind Buchfink, Tannenmeise und Rotkehlchen. Auch BirdLife Österreich hat an der Datenerhebung für den Atlas mitgearbeitet.

„Die Analysen zeigen auch, welch hohe Bedeutung und Verantwortung Tirol vor allem in Bezug auf Gebirgsvogelarten für Österreich, die Alpen und sogar für die gesamte Europäische Union besitzt. Diese Ergebnisse sollten auch ein Auftrag an uns alle sein, diese wunderbare Tiergruppe für unsere Enkel und Urenkel zu erhalten“, betont Projektleiter Reinhard Lentner. In einem Audiostatement verrät er, wo man in Tirol besonders viele Brutvogelpaare und die größte Artenvielfalt findet:


Der Atlas der Brutvögel ist im Buchhandel und online beim Berenkamp-Verlag erhältlich.

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